Daheim und unterwegs 642x220

29.03.2016

Im Fernsehen!

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Ich bin ja die vergangenen Tage immer wieder gefragt worden, wie das denn war, Im FERNSEHEN! Beim WDR! LIVE! Na ja … um erst einmal die zweithäufigste Frage der letzten Woche zu beantworten: Nein, nachträglich ansehen kann man sich das Interview leider nicht. Die Daheim und Unterwegs-Redaktion stellt immer nur zwei, drei Themen aus der jeweiligen Sendung in die Mediathek.

Und am Montag vor Ostern war das aus aktuellem Anlass eben nicht Pilgern oder ein unglaublich tolles und wichtiges Interview zum Thema Umgang mit Dementen, sondern, naja – Ostern im Glas. Eine Bastelanleitung für Oster-Geschenke auf Basis von Schraubdeckelgläsern, über die eine Bekannte meinte, sie hoffe sehr, ihr Leben lang von derlei Präsenten verschont zu bleiben. Dabei ist deren Erfinderin, die Bloggerin Julia Danner, eine ultranette junge Frau – ich habe sie im Gästeraum kennenlernen dürfen. Und ihre Idee ist wirklich prima.

OK, eigentlich wäre damit schon alles zum Thema Auftritt beim WDR gesagt. Eigentlich … denn an und für sich fing die Sache ja gut an. Ein paar Wochen vor dem Termin meldete sich die zuständige Autorin und stellte mir eine Stunde lang kluge Fragen zum Thema Pilgern, zum Buch und zu den Leuten, die ich da drin portraitiert hatte. Und ich dachte: Super! Wenn ich im Fernsehen so planlos und kurzatmig daherschwadroniere wie am Telefon, kann ich die Sache gleich abhaken. 

Dann wünschte sich die Dame noch einen Satz Fotos von meiner Reise, um daraus einen kleinen Vorab-Beitrag zusammenzuschneiden – zur Einstimmung. Irgendwie schwebten mir da sanft ineinander überblendete Landschaftsbilder zu spanischer Gitarrenmusik vor: Albus goes Arkadien, sowas in der Art. 

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An den Tagen vor der Sendung hab‘ ich mich mindestens so gewissenhaft vorbereitet wie wie Rocky Balboa. Ich hab‘ mich quasi von Omega-3-Fettsäuren ernährt, um keine Namen durcheinanderzuwerfen oder den Studiotisch umzurennen. Ich komm‘ jetzt wohl ins Doppelherz-Alter.

Dann kam der Tag! Frei genommen, auf nach Düsseldorf. Die Mädels von der Gästebetreuung waren supernett, die anderen Studiogästinnen im Warteraum auch, wenn auch zusammengenommen nicht halb so alt wie ich. Kekse, Kaffee, Quätschken, alles nett. Dann ging’s ins Studio.

Und von da an lief es … Na ja: Kennt jemand das John Lennon-Zitat: Leben ist das, was passiert, wenn man Pläne gemacht hat? Anstelle meiner Bildermenagerie zu Gitarrenmusik lief als Aufmacher ein Uralt-Beitrag über mich, den der WDR gefühlt zu Zeiten der Arche Noah mal über mein erstes Buch gedreht hatte: Pilger Albus stapft durch Dortmund, Pilger Albus ruht sich an einem Baum aus, Pilger Albus lässt seinen Blick über Hohensyburg schweifen. Kann es sein, dass denen niemand gesagt hatte, dass meine Pilgerwanderung sieben (!) Jahre her ist?

Egal – ich schalte auf Autopilot, trete aus dem Fake-Aufzug, renne den Tisch nicht um (wir stehen an der Theke einer Art Wohnküche), schaffe es, die Kameras komplett auszublenden und beantworte brav die Fragen, die der Moderator mir stellt. Und dann … kommen meine Fotos.

Ohne Gitarrenmusik, dafür so schnell geschnitten wie ein Transformers-Trailer. Und ich soll was dazu sagen: Da helfen auch keine Omega-3-Fettsäuren mehr. Ich bin fast 50, Leute! Jedenfalls: Alles was ich vorbereitet habe ist für die Tonne. Das Buch kommt nicht zur Sprache – abgesehen von zwei, drei Halbsätzen, in denen ich kurz drauf verweise und mir dabei vorkomme wie Dieter Bohlen, der seine neue CD anpreist. Schlimmer noch: Die Leute, die ich vorstellen wollte, Wiebke Beyer, Manolo Link, Carl Jung – ich kann nicht mal ihre Namen erwähnen.

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Offenbar geht es den Leuten da nur um mich und meine Wanderung. Die Zeit rast, die Fragen, die mich eigentlich interessieren, werden wohl nicht mehr kommen. Autopilot, zweiter Teil. Ein paar launige Bemerkungen, dann ist die Zeit rum. 

Ich verabschiede mich von den Gäste-Damen, setze mich eine Weile an den Rhein und versuche, nachzuvollziehen, was da gerade passiert ist. Unter’m Strich ist alles fein: Von der Autorin bekomme ich später noch eine E-Mail, der ich entnehmen kann, dass es ein „wirklich toller, sehr unterhaltsamer Auftritt“ war, der „allen super gefallen“ hat. Aus den sozialen Medien tönt’s ähnlich, wenn auch der eine oder andere fragt, was das denn jetzt mit dem angekündigten Thema „was nach dem Pilgern kommt“ zu tun hatte. Aber was kann ich für die Fragen?

Für mich steht folgendes als Fazit: Ich bin auf der Brücke geblieben, obwohl ich zuerst so nervös war, dass ich dachte, ich leg‘ mich schon beim Tritt aus dem Aufzug auf die Nase, ich habe trotz Adrenalin-Level bis zur hohen Stirn halbwegs sauber formulieren können, habe niemanden beleidigt, keine Namen verwechselt, und kleinere Ausfälle wie „Das ist jetzt irgendeine Talsperre …“ beim Kommentieren der Fotos sind vermutllich niemandem aufgefallen. 

Aber irgendwie stört mich das „unterhaltsam“. Ich hätt’s halt gerne etwas näher am Thema gehabt. Und wenn die WDR-Jungs wenigstens eingeblendet hätten, dass ich mir vergangenes Jahr mein viertes Buch abgerungen habe, statt mich als Vorzeige-Pilger zu featuren, der ich nie war, hätte das sicher auch niemanden gestört.

Na ja, mal sehen, wozu es gut war. Meine Lieblingslektorin fand, dass ich gut gewirkt und mich nicht verhaspelt und überhaupt nicht aufgeregt gewirkt habe. Ich hab‘ jetzt TV-Erfahrung! Bekannt aus Funk und Fernsehen, wie ein Müsli-Riegel. Und beim Joggen am Tag drauf haben mich wildfremde Menschen gegrüßt, dabei zieh‘ ich dabei immer so ein „Durchbeiß-Gesicht“, dass die Leute normalerweise die Straßenseite wechseln, wenn ich angerollt komme.

Und irgendwie hat’s ja auch Spaß gemacht. Hätt‘ jetzt gerne mehr davon. Ich glaub‘, ich kann Leute jetzt verstehen, die keiner Kamera aus dem Weg gehen. Das gibt nen Kick.

(Edit: Ich hab‘ einen Mitschnitt des Interviews bekommen. Ich frag‘ mal nach, ob ich den hier einstellen darf. Daumen drücken!)

 

(Alle Interview-Impressionen von Bix Müffeler. Danke!)

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